Liebes Publikum,


wir freuen uns sehr über Ihr reges Interesse an unserem digitalen ECLAT Festival und über sehr viel schönes und motivierendes  Feedback!

 

Unser Dank gilt auch allen beteiligten Künstler*innen dafür, dass sie die digitalen Formate angenommen und etwas ganz Neues entwickelt haben, dass das analoge Bühnenerleben nicht ersetzt, sondern ihm etwas Eigenständiges gegenüberstellt. Unseren Kommunikationsdesignern, Filmregisseuren, Ton- und Bühnentechnikern danken wir herzlich für die kreative Umsetzung unserer Idee, ein digitales ECLAT Festival zu erfinden, das Ihnen ein umfassendes, interessantes Festivalerlebnis ermöglicht hat.

 

Der umfangreiche Belarus-Schwerpunkt von ECLAT 2021 mit dem Film „Echoes. Voices from Belarus“, der Ausstellung „Belarus – der Weg zu sich selbst“ und dem Film „Practices of Subordination“ von Sergey Shabohin und Christoph Ogiermann ist über unser Portal stets frei für Sie zugänglich.

 

Auch die beiden Konzerte von SWR2 JetztMusik in ECLAT mit dem SWR Vokalensemble und dem SWR Symphonieorchester können Sie Dank Ihres Rundfunkbeitrags weiterhin kostenfrei erleben.

 

Wir freuen uns über Ihr Interesse! Wenn Sie Fragen haben oder Feedback geben wollen, schreiben Sie bitte an:

musik@mdjstuttgart.de

 

Ihre Christine Fischer und das ganze ECLAT Team

Volya Dzemka

The Songs of Old Europe

Die Geschichte hinter dem Dokumentarfilm

 

“Die Lieder des alten Europas – Alte belarusische Volkslieder” ist der erste englischsprachige Dokumentarfilm über belarusische Volkslieder, die laut Ethnographen die ältesten unveränderten Lieder Europas sind. Diese Lieder und die Menschen, die sie singen, wurden jedoch selbst in ihrem Heimatland herabgesehen und misshandelt. Sogar die Belarusen kennen die Bedeutung ihrer Lieder nicht.

 

Dieses traditionelle Thema wurde mit einem zeitgenössischen, lebendigen Stil und Originalität versehen – die belarusische Geschichte und einige Songtexte wurden mit Animation und Grafik visualisiert. “Die Lieder des alten Europas” enthalten auch authentische Filmaufnahmen aus dem frühen und späten 20. Jahrhundert sowie Kampfszenen, die auf verschiedenen mittelalterlichen Festivals in Belarus gedreht wurden. Aufmerksame Zuschauer können sogar ein lokales Element erkennen: Die Eröffnungsszene wurde in Bremerton, Washington, gedreht. Es ist der einzige Ort im Bundesstaat Washington, das Belarus ähnelt, einem bewaldeten Land mit vielen Seen und Sümpfen, aber ohne Berge. Und natürlich gibt es Musik – eine Mischung aus alten und modernen Versionen der Lieder, die von belarusischen Bands wie Troitsa und Vuraj aufgeführt werden.

 

Das Rennen gegen die Zeit

 

Diese einzigartigen Lieder verschwinden allmählich. Politische und wirtschaftliche Veränderungen, technologischer Fortschritt und die 1986 durch die Nuklearkatastrophe von Tschernobyl verursachte Zerstörungen haben die belarusische Gesangstradition untergraben, weshalb der Dokumentarfilm ein Versuch war, die Zeit zurückzudrehen.

 

Einige der ersten Sänger der “Lieder des alten Europas”, auch “Babuschkas” genannt,  sind leider verstorben, längst bevor sie sich selbst auf der Leinwand sehen konnten.

 

“Ich habe hart dafür gearbeitet, dass unsere Star-Sänger den Film sehen können und wissen, dass die Menschen auf der ganzen Welt über sie sprechen und die Lieder anhören werden”, sagt Volya. Darüber hinaus hat Volya dafür gesorgt, dass diese Teile der lebenden Geschichte der Menschheit grundsätzlich erhalten bleiben.

 

Autorin: Volya Dzemka

Projekt: Die Lieder des alten Europas

Webseite: https://www.belarusian-songs.com/

 

STORY BEHIND THE DOCUMENTARY

 

The Songs of Old Europe – Ancient Belarusian Folk Songs is the first ever English-language documentary about Belarusian folk songs, which are considered by ethnographers to be the oldest unaltered songs in Europe. However, these songs and the people who sing them were looked down upon and mistreated, even in their own country. Even Belarusians don’t realize the significance of their songs.

 

The topic, although traditional, has been infused with a contemporary, vivid style and originality – the history of Belarus and some song lyrics have been visualized through animation and graphics. The Songs of Old Europe also contains authentic footage from the early and late 1900’s, as well as battle scenes shot at different medieval festivals in Belarus. Attentive viewers can even spot a local element: the opening scene was shot in Bremerton, Washington. It is the only area in Washington state that resembles Belarus, a forested country, with many lakes and swamps but no mountains. And of course, there is music – a mix of ancient songs and modern versions of the songs, performed by groups such as Troitsa and Vuraj from Belarus.

 

RACE AGAINST THE CLOCK

 

These unique songs are gradually disappearing. Political and economic shifts, technological progress and the devastation brought by the meltdown of the nuclear reactor in Chernobyl in 1986 have had an eroding effect on the Belarusian singing tradition, therefore making the documentary was a race against the clock.

Some of the authentic singers, or “babushkas” in The Songs of Old Europe have passed away, even before they had the chance to see themselves on screen. “I’ve worked as hard as I can,” says Volya, “so our singing stars will be able to see the film and know that people around the world will talk about them and listen to their songs before it’s their time to go.” Even more importantly, Volya has ensured that this piece of living history will stay alive.

 

Biography

Volya Dzemka

Deutsch

Volya, gebürtige Belarusin, ist eine preisgekrönte Produzentin, Regisseurin und Editorin. Aktueller Wohnort – Seattle, WA. 2010 absolvierte sie das Kunstinstitut von Seattle mit einem Abschluss in Fotografie mit dem Schwerpunkt Modefotografie.

Volyas Faszination für die mit Licht und Bildsensor erschlaffte Schönheit ging weit über statische Darstellung hinaus – in die Welt der Animation, Filme und Videos. Sie kehrte an das Kunstinstitut zurück und erwarb 2018 ihren Bachelor in Bildender Kunst mit Schwerpunkt Film- und Videoproduktion. Sie war bereits als Produzentin, Regisseurin, Regieassistentin, Editorin und Kamerafrau für eine Reihe von Projekten wie Kurzfilmen, Musikvideos und Werbung tätig.

Volyas Leidenschaft liegt in der Filmproduktion und -edition, im Projektstress der Einhaltung des Zeitplans in dem gegebenen finanziellen Rahmen, der ständigen Kommunikation, der Lösungssuche für komplexe Editionsvorhaben, und in der ersehnten Schaffung eines neuen kinematographischen Meisterstücks.

Im April 2016 beendete Volya die Arbeit an dem Dokumentarfilm “Die Lieder des Alten Europas – Alte Belarussische Volkslieder”, der aktuell auf diversen Filmfestivals weltweit gezeigt wird. Dieser Film gewann den Titel “Bester Dokumentarfilm” und wurde 2017 mit dem Platinum Remi Award in der Kategorie “Film und Videoproduktion” beim 50. WorldFest-Houston International Film Festival ausgezeichnet.

 

 

An award-winning producer, director and editor, native Belarusian, Volya currently resides in Seattle, WA. She graduated from the Art Institute of Seattle in 2010 with degree in Photography with emphasis in Fashion Photography.

Volya’s fascination with beauty, created by light and camera sensor, moved beyond still imagery – to the world of motion picture, film, and video. She returned to the Art Institute and in 2018 got her Bachelor’s Degree in Fine Art majoring in Digital Filmmaking and Video Production and has already worked as a producer, director, assistant director, editor, and cinematographer on a number of projects, such as short films, music videos, and commercials.

Volya’s passion lies in producing and editing, in the mayhem of following timeline, meeting budget, constant communications, planning and solving editing puzzles on the timeline while creating a new piece of cinematic perfection.

In April 2016 Volya finished working on a feature documentary  The Songs of Old Europe – Ancient Belarusian Folk Songs  which is now participating in film festivals around the globe and has won the “Best Feature Documentary” title as well as got Platinum Remi Award in “Ethnic/Cultural Film and Video Materials” at 50th WorldFest-Houston International Film Festival in 2017.

 

Website

QUO VADIS

Deutsch

Der letzte Block der Ausstellung erzählt die 30-jährige Geschichte des unabhängigen Belarus. Die Fotografen Siarhei und Dmitri Brushko, Vater und Sohn, wurden jeder zu seiner Zeit Zeugen entscheidender Momente der belarusischen Geschichte – des Zusammenbruchs der UdSSR im Jahr 1991 und des Erwachens der Zivilgesellschaft im Jahr 2020.

Die Standhaftigkeit und die Bedeutung jedes noch so kleinen Schrittes wird in den abstrakten Arbeiten des Fotografen und Künstlers Valery Viadrenka neu überdacht. Seine unerwarteten, kontrastreichen Kompositionen drücken die Unausweichlichkeit der Wende aus.

“Magutny Bozha”, gesungen von Naka und Yulia Ruditskaya, ist ein Lied, das zu einer Hymne der Hoffnung und der Gebete für Belarus geworden ist.

Nun, an das Ende gelangt, stehen wir also vor der schwierigen Frage: “Was erwartet uns danach?”

English

The last block of the exhibition tells the 30-year history of independent Belarus. Photographers Siarhei and Dmitri Brushko, father and son, each in their own time witnessed decisive moments in Belarusian history – the collapse of the USSR in 1991 and the awakening of the civil society in 2020.

The steadfastness and significance of each step, no matter how small, is reconsidered in the abstract works of photographer and artist Valery Viadrenka. His unexpected, contrasting compositions express the inevitability of change.

“Magutny Bozha”, performed by Naka and Yulia Ruditskaya, is a song that has become an anthem of hope and prayers for Belarus.

So now, having reached the end, we are faced with the difficult question: “What awaits us afterwards?”

ANTIUTOPIE & WIDERSTAND

Deutsch

Kunst als politisches Werkzeug hilft, die Kluft zwischen der Vergangenheit und der Zukunft zu markieren. Alle zeitgenössischen Künstler, welche wir in diesem Block präsentieren, versuchen auf einer eigenen Art und Weise den entstandenen Bruch zu verarbeiten. Die Performance “Erbe” ist eine Geschichtensammlung diverser verbannter sowjetischer Künstler, deren unschätzbares Erbe in das unabhängige Belarus zurückgekehrt ist, und diesmal vom neuen Regime hinter die autoritären Gitter gebracht wurde. Der Kampf um die verfassungsmäßigen Rechte wird in dem Dokumentarfilm “Route Rebuild” von Maksim Shved fortgesetzt. Die Protagonisten des Films, die Taxifahrer, schaffen es am Vorabend der Wahlen im Gespräch mit den Fahrgästen, die Anzeichen der kommenden Wende zu erkennen, auch wenn diese noch sehr naiv und teilweise unbewusst angedeutet wird.

 

Hanna Murajdas digitale Verlosung “Geboren in Belarus” konfrontiert den Betrachter mit der vielschichtigen belarusischen Realität. Die Grafik von Raman Kaminski ist ein Tagebuch voller Skizzen, in welchen die Banalität des belarusischen Bösen zum Alltag geworden ist. Das visuelle und emotionale Erleben der Ereignisse von 2020 wird in der Sandanimation von Alexandra Konofalskaya und in dem Mediaprojekt “Animatoren für Belarus” ausgedrückt.

English

Art as a political tool helps to mark the gap between the past and the future. Having captured the shifts taking place in contemporary Belarusian society, each of the artists in this block conceptualises it in his or her own way. The performance “Heritage” is a compilation of stories of artists who were exiled by the Soviet authorities, and whose priceless heritage has returned to independent Belarus, and who have been put behind the bars of the new authoritarian regime again. The theme of struggle for constitutional rights is continued in the documentary film “Route Rebuild” by Maksim Shved. The protagonists of the film, taxi drivers, while talking to passengers, manage to capture the unconscious of people on the eve of elections, naive in its own way, but with a clear feeling of anticipating the split of reality.

 

Hanna Murajda’s interactive lottery “You were born in Belarus” confronts the viewer with the multifaceted Belarusian reality and questions the search for one’s identity. Raman Kaminski’s graphics are a diary of sketches, where the banality of the Belarusian evil has become an everyday occurrence. The visual and emotional experience of the 2020 events is expressed in the sand animation by Alexandra Konofalskaya and in the media project “Animators for Belarus”.

ABSURD

Deutsch

Die belarusische Gesellschaft durchläuft eine entscheidende Phase ihrer Formation. Doch wie soll man eine Zivilgesellschaft aufbauen, wenn die gesetzlichen und öffentlichen Instrumente nicht funktionieren? Die Kunst wird zum Weg der Konfrontation und setzt Akzente auf die Problempunkte und sucht dabei die Antworten auf die schwierigen Fragen der Gegenwart. Zwei Multimediaprojekte “Am Rande” und “Keine Worte” von Siarhei Hudzilin beleuchten das Leben des einfachen Menschen, seine Identität und die Suche nach sich selbst. Durch Betrachtung des Alltags wird das belarusische Dasein in seiner Unterwerfung unter die Zensur und die Gesetze zerlegt. Die Monotonie der mehrstöckigen Wohnblöcke in Vlad Shevelevs Fotoserie “Du bist besonders” lädt uns ein, in das Reich der unterschiedlichsten Muster einzutauchen. Die gleichförmigen Fenster füllen den ganzen Raum aus und rauben den Bewohnern jegliche Chance dem Systemelend zu entkommen.

English

Going through a crucial formative period, Belarusian society is being transformed. However, how to build a civil society when legal and social instruments do not work. Art becomes a way to confront and actualise problematic issues, answering the difficult questions it faces. The two multimedia projects “Along the Edge” and “No Words” by Siarhei Hudzilin look at the life of an ordinary man, his identity and search for himself from different angles. Everyday life becomes an important element for understanding what is going on, where there is no freedom of speech and everything is subject to the law from above. The monotonous repetitiveness of Vlad Shevelev’s photo series “You Are Special” immerses us into a sense of system, giving us a clear pattern of behaviour. The squares of windows completely fill the space, suppressing any attempt to escape from the net of the system.

 

 

UTOPIE

Deutsch

Die staatliche Propaganda in Belarus folgt der Ideologie der UdSSR und erzwingt neue Symbole, welche die Gesellschaft zunehmend von der traditionellen Kultur und Identität entfremden. Es bleibt kein Platz für Rede- und Handlungsfreiheit, alles unterliegt einem strengen Kontroll- und Unterdrückungssystem. Der Erntedankfest, einer der wichtigsten Feiertage, blüht buchstäblich in den Gemälden von Janna Kapustnikava auf. Visuell bilden sie eine andere, von der Ideologie verschonte Realität.

In seinem Projekt “Neues Olympia” untersucht Siarhei Hudzilin das Phänomen der Massensportveranstaltungen als wichtiges Element der staatlichen Propaganda. Das Projekt “Orthodoxe Wahlen” zeigt Wahlen als ein Element der politischen Religion, die nichts mit der Demokratie zu tun hat, sondern mit absolutem Glauben.

English

Repeating the experience of the USSR, the state propaganda of modern Belarus imposes new symbols, distancing the nation more and more from its traditional culture and identity. There is no place for freedom of speech and action, everything is subject to a strict system of control and suppression. One of the most important national holidays, Dazhynki, literally blossoms in the paintings of Janna Kapustnikava. Visually rendered as traditional carpets, the paintings represent a different reality hidden from the ideology.  Siarhei Hudzilin’s project “New Olympia” explores the phenomenon of mass sports events as an important element of state propaganda. The “Orthodox Elections” project shows elections as an element of a political religion that has nothing to do with democracy, just faith.

URBILD

Deutsch

Das kulturelle Urbild hat einen enormen Einfluss auf die Selbstbestimmung einer Nation. Die traditionellen Symbole und die rote, archetypische Farbe der belarusischen Kultur, werden zum Bindeglied zwischen den Generationen. Die Künstlerin Cemra reflektiert in ihrem Projekt “Spadchina” (“Erbe”) über den Stellenwert des kulturellen Erbes in der heutigen Belarus und über den Einfluss der alltäglichen Entscheidungen auf ihr kulturelles Umfeld.

 

Das Thema der archaischen Symbole und des Urbildes der belarusischen traditionellen Kultur setzt sich in der Arbeit von Yaugen Shcharbach “12 Apostel” fort.

 

Durch den Dokumentarfilm “Die Lieder des alten Europas” von Volya Dzemka bekommen wir einen besonderen, intimen Einblick in die Welt der Volkslieder, welche mit den Dörfern und ihren Bewohnern dahinschwindet.

English

A nation’s self-determination is impossible without reference to its cultural origins. Traditional symbols and the colour red, one of the archetypal colours of Belarusian culture, become a link and restore the lost memory between generations. The artist Cemra in her project “Spadchina” (“Heritage”) reflects on the place of cultural heritage in contemporary Belarus and how our everyday choices can influence the cultural environment.

 

The theme of archaic symbols and the origins of Belarusian traditional culture continues in the work “12 Apostles” by Yaugen Shcharbach.

 

Through the documentary film “The Songs of Old Europe” by Volya Dzemka we get a special, intimate insight into the world of folk songs, which is fading away with the villages and their inhabitants.